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Der Mondhase Yùtù – Die Legende des Jadehasen

Von Florian Gattung · Veröffentlicht am

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Wenn wir in Deutschland an Hasen denken, denken wir an den Osterhasen. In China gibt es einen anderen berühmten Hasen: Yùtù (玉兔), den Jadehasen – auch bekannt als der Mondhase. Er lebt auf dem Mond und ist eine der ältesten Figuren der chinesischen Mythologie.

Wer ist Yùtù, der Mondhase?

Yùtù (gesprochen ungefähr „Jü-tu", mit kurzem ü wie in „Mütze") bedeutet wörtlich „Jadehase" (玉 = Jade, 兔 = Hase). In der chinesischen Mythologie ist er ein weißer Hase, der auf dem Mond lebt und dort mit einem Mörser das Elixier der Unsterblichkeit stampft.

Die Vorstellung eines Hasen auf dem Mond ist uralt: Schon auf Bronzearbeiten der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) ist der Mondhase abgebildet. Die Idee könnte darauf zurückgehen, dass die dunklen Flecken auf der Mondoberfläche an die Umrisse eines Hasen erinnern.

Aussprache: Yùtù wird „Jü-tu" ausgesprochen. Der erste Teil klingt wie das deutsche „ü" in „Mütze", der zweite wie „tu" in „Tunnel". Auf Chinesisch: 玉兔 (yùtù).

Die Legende von Chang'e und dem Mondhasen

Es gibt verschiedene Versionen der Mondhase-Legende. Die bekannteste ist eng mit der Geschichte von Chang'e (嫦娥) verbunden, der Mondgöttin:

Die Geschichte

Vor langer Zeit gab es zehn Sonnen am Himmel, die die Erde verbrannten. Der Held Hou Yi schoss neun davon ab und rettete die Welt. Als Belohnung erhielt er von der Königinmutter des Westens ein Elixier der Unsterblichkeit – genug für zwei Personen, um ewig zu leben, oder genug für eine Person, um zum Himmel aufzusteigen.

Hou Yi gab das Elixier seiner Frau Chang'e zur Aufbewahrung. Doch ein Schüler versuchte, es zu stehlen. Um es zu schützen, trank Chang'e das gesamte Elixier – und schwebte zum Mond empor. Dort lebt sie seither, begleitet von Yùtù, dem Jadehasen, der für sie unermüdlich das Elixier der Unsterblichkeit stampft.

In einigen Versionen der Legende opferte sich der Hase selbst, indem er in ein Feuer sprang, um einen hungrigen Alten (in Wirklichkeit den Jadegott) zu ernähren. Bewegt von seiner Selbstlosigkeit, schickte der Gott ihn auf den Mond, wo er für immer leben sollte.

Das Mondfest – Wenn ganz China zum Mond schaut

Der Mondhase ist untrennbar mit dem chinesischen Mondfest (中秋节, Zhōngqiū Jié) verbunden, das jedes Jahr am 15. Tag des 8. Mondmonats gefeiert wird – meist im September oder Oktober.

Das Mondfest ist eines der wichtigsten Feste in China. Familien kommen zusammen, betrachten den Vollmond und essen Mondkuchen (月饼, yuèbǐng) – runde Gebäckstücke, die den Mond symbolisieren. Kinder tragen leuchtende Laternen durch die Straßen – besonders hoch, damit der Mondhase sie sehen kann.

In gewisser Weise ist das Mondfest für China, was Ostern für Deutschland ist: Ein Fest der Familie, der Verbundenheit und des Erinnerns an Menschen, die man vermisst.

Wussten Sie? In China werden zum Mondfest jährlich über 2 Milliarden Mondkuchen verkauft. Die Tradition geht über 3.000 Jahre zurück und ist heute ein UNESCO-Kulturerbe.

Der Mondhase weltweit

Die Vorstellung eines Hasen auf dem Mond ist nicht nur in China verbreitet. In Japan (wo er Tsuki no Usagi heißt) stampft der Mondhase Reiskuchen (Mochi). In Korea heißt er Tokki und stampft ebenfalls Reiskuchen. Selbst in der aztekischen Mythologie gibt es die Legende eines Hasen auf dem Mond.

In Europa sehen wir dagegen eher ein Gesicht im Mond – den „Mann im Mond". Aber in Ostasien ist es ganz klar: Da sitzt ein Hase.

Yùtù in der modernen Kultur

Der Name Yùtù lebt auch in der modernen Welt weiter: Chinas Mondrover, der 2013 auf dem Mond landete, wurde Yùtù getauft. Sein Nachfolger Yùtù-2 (2019) war das erste Fahrzeug, das die Rückseite des Mondes erkundete.

Und im Kinderbuch „Der Osterhase vom Mond" von Florian Gattung bekommt der Mondhase eine ganz neue Rolle: Als tollpatschiger, liebenswerter Hase, der in einer pummeligen Möhrenrakete zur Erde fliegt und Kindern hilft, mutig über ihre Gefühle zu sprechen. Die Geschichte verbindet die chinesische Mondhase-Legende mit dem deutschen Osterfest – und zeigt, dass der Mondhase und der Osterhase mehr gemeinsam haben, als man denkt.

Steckbrief: Yùtù, der Jadehase

Name: Yùtù (玉兔) – „Jadehase"

Aussprache: Ungefähr „Jü-tu"

Herkunft: Chinesische Mythologie

Wohnt: Auf dem Mond

Aufgabe: Stampft das Elixier der Unsterblichkeit

Begleiterin: Chang'e, die Mondgöttin

Fest: Chinesisches Mondfest (中秋节)

Auch bekannt in: Japan (Tsuki no Usagi), Korea (Tokki)

Im Kinderbuch: Hauptfigur in „Der Osterhase vom Mond" (2026)

Osterhase trifft Mondhase

Was haben der deutsche Osterhase und der chinesische Mondhase gemeinsam? Beide verbinden Familien und erinnern an Menschen, die uns wichtig sind. Im Kinderbuch „Der Osterhase vom Mond" treffen beide Hasen aufeinander – in einer Geschichte über Freundschaft, Sehnsucht und den Mut, Gefühle auszusprechen.

Yùtù kennenlernen

Im Bilderbuch „Der Osterhase vom Mond" fliegt Yùtù in einer Möhrenrakete zur Erde und hilft zwei Kindern, die sich vermissen. Für Kinder ab 6 Jahren. Mit Bastelanleitung für Herzlicht-Eier.

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